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Showing posts from 2013

Kann man den Liberalismus neu erklären?

Der Liberalismus hat ein Problem, weil er regelmässig missverstanden wird. Er muss sich neu erklären. Ich habe versucht einige Gedanken aufzuschreiben, was für mich der Begriff liberal beinhaltet. Damit meine ich nicht ein bestimmtes politisches Programm oder eine Partei, sondern liberales Gedankengut allgemein, das zu unterschiedlichen Graden je nach politischer Richtung mal mehr, mal weniger (zunehmend weniger, wie ich befürchte) auch in der Parteipolitik vorhanden sein kann.   Liberalismus lehnt monolithisches Gesellschaftsdenken ab Liberalität hat ein dezidiert vorurteilsfreies Staats- und Gesellschaftsbild. Für Liberale ist der Staat ist nicht ein Deus Ex Machina, sondern ein Netzwerk an Institutionen mit einer gesellschaftlichen Schutz- und Steuerungsfunktion.  Auch ist eine Gesellschaft kein monolithisches Artefakt mit einem klaren Willen, der stets zwischen richtig und falsch unterscheiden kann, sondern ist von einer viel fluideren Gestalt, in der die Interessen  ...

Vertrauen und Wissen

Mit Ausnahme einiger weniger wohlhabende Personen, die sich auf der Burg von Bauern versorgen liessen, verstand in Agrargesellschaften vor der Industrialisierung wohl jeder wo das Essen auf dem Teller, der Brennstoff für die eigene Lampe oder der Stoff für das eigene Hemd hergekommen ist. Es herrschte zwar wenig Wissen über die breiteren Zusammenhänge der Physik, des menschlichen Körpers oder der Geografie. Aber das eigene – meist materiell nach heutigem Standard karge – Alltagsleben wurde verstanden. Dieses Verhältnis hat sich heute umgekehrt. Heute verstehen wohl nur einige über welche Wege, Essen, Energie und Konsumgüter an sie gelangen. Das liegt daran, dass die Industrialisierung, Technisierung und Globalisierungder vergangenen 200-250 Jahre dazu geführt hat, dass die Organisation menschlicher Existenz unglaublich komplex geworden ist. Von der Energie-, Rohstoff und Stromversorgung angefangen, über die Wertschöpfungskette für Nahrungsmittel, Kleidung, Konsu...

Ein paar Gedanken zum Raum

Nach Foucault ist nach dem 19. Jahrhundert als Zeit, die sich mit Geschichte befasst hat, unsere heutige Zeit womöglich eine, die sich primär mit Raum befasst. Ein „spatial turn“ ( http://www.transcript-verlag.de/ts683/ts683_1.pdf ) in den Geisteswissenschaften führt zu mehr Beschäftigung mit dem Phänomen Raum – wie wir ihn wahrnehmen, wie Raum konstruiert wird, welche politische und gesellschaftliche Bedeutung er hat. Dies verwundert nicht. Globalisierung fordern uns geradezu heraus, das Konzept Raum zu überdenken. Raum war zunächst etwas kaum überbrückbares. Raum liess sich in seinen beschreibbaren geografischen Eigenschaften (Berge, Ozeane, Wälder) aufteilen und beherrschen, liess sich begrenzen und beschützen. Raum stiftete Identität (Heimat), war Ausdruck kultureller Homogenität und Exklusivität. Was hat unser Verhältnis zum Raum geändert? Verkehrstechnologie: Raum ist durch rasche Luft-, See- und Landlinien zusammengeschrumpft. Die Folge: kulturelle Homogenität ist auf...